Rückblick Dualstark ERFA-Tagung 2026

Krisen lassen sich nicht planen. Der Umgang damit schon.

Was tun, wenn eine Prüfung plötzlich anders verläuft als geplant? Wer entscheidet, wer informiert und welche rechtlichen Vorgaben gelten? An der Dualstark ERFA-Tagung vom 29. Oktober 2026 in Zürich stand das Risikomanagement bei eidgenössischen Prüfungen im Mittelpunkt – von der vorausschauenden Vorbereitung bis zum sicheren Handeln im Ereignisfall.

 

Risiken erkennen, bevor sie zum Problem werden 

Ein Feueralarm mitten in einer schriftlichen Prüfung: Wer entscheidet über das weitere Vorgehen? Was geschieht mit den Prüfungsunterlagen? Und wie bleibt die Chancengleichheit der Kandidierenden gewahrt? Mit diesem Szenario verdeutlichte Simon Theus, Präsident der QSK der Schweizerischen Prüfungsorganisation höhere Berufsbildung öffentliche Verwaltung (HBBöV) wie wichtig ein systematisches Risikomanagement ist. Denn auch eine sorgfältig organisierte Prüfung kann durch unerwartete Ereignisse aus dem Gleichgewicht geraten. Im Zentrum seines Referats standen zwei von einer Dualstark-Arbeitsgruppe entwickelte Hilfsmittel: die Risikomatrix und der Orientierungsrahmen. Die Risikomatrix ermöglicht es Trägerschaften, Risiken anhand ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungen zu bewerten und zu priorisieren. Der Orientierungsrahmen unterstützt sie dabei, relevante Risikobereiche zu identifizieren und präventive sowie reaktive Massnahmen vorzubereiten. Die wichtigste Botschaft: Wer Risiken frühzeitig erkennt, Verantwortlichkeiten klärt und Handlungsalternativen definiert, schafft Sicherheit für den Ernstfall. 

Wenn aus einem Risiko Realität wird 

Wie anspruchsvoll die Bewältigung eines unerwarteten Ereignisses sein kann, zeigten Martina Nikolic, Prüfungsleiterin, und Joël Mattle, Leiter der Fachkommission Führung beim Verein für die höheren Prüfungen in Rechnungswesen und Controlling. Im März 2025 führten technische Probleme während einer eidgenössischen Prüfung zunächst zu kurzfristigen Anpassungen und schliesslich zum Prüfungsabbruch. Damit begann für die Verantwortlichen eine weitere Herausforderung: Ursachen mussten geklärt, ein Ersatztermin organisiert, rechtliche Fragen bearbeitet und die betroffenen Kandidierenden informiert werden. Der Praxisfall machte deutlich, worauf es im Ereignisfall ankommt: klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Entscheidungen und transparente Kommunikation. Oberste Priorität hatte dabei die Gleichbehandlung aller Kandidierenden. Aus den Erfahrungen entstanden konkrete Verbesserungen – darunter technische Alternativen, zusätzliche Absicherungen und vorbereitete Ausweichmöglichkeiten. Denn wirksames Risikomanagement endet nicht mit der Bewältigung einer Krise. Ebenso wichtig ist es, aus Ereignissen zu lernen und künftige Prüfungen noch sicherer zu gestalten. 

Zwischen Handlungsspielraum und rechtlichen Vorgaben 

Neben organisatorischen und technischen Fragen sind bei unerwarteten Prüfungssituationen auch rechtliche Vorgaben zu berücksichtigen. Michael Peter vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) beleuchtete die rechtlichen Rahmenbedingungen für Prüfungsträgerschaften. Er betonte, dass die grosse Mehrheit der Trägerschaften ihre Prüfungen bereits sehr gut organisiert und vorbereitet. Entscheidend sei insbesondere eine klare, einheitliche und transparente Kommunikation gegenüber den Kandidierenden, wenn während einer Prüfung Störungen auftreten. Ein weiterer wichtiger Hinweis betraf das Beschwerdeverfahren: Kandidierenden müssen Störungen bereits während der Prüfung der zuständigen Prüfungsorganisation melden, damit diese in einem späteren Beschwerdeverfahren berücksichtigt werden können. 

Erfahrungen teilen, voneinander lernen 

In der anschliessenden Plenumsdiskussion hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen einzubringen, eigene Erfahrungen zu teilen und unterschiedliche Lösungsansätze mit den Referierenden zu diskutieren. Unter anderem standen mögliche Kostenfolgen bei Prüfungsstörungen sowie der Umgang mit neuen Technologien wie Smartglasses im Zentrum. Auch das SBFI brachte seine Perspektive zu diesen Herausforderungen ein. Die wichtigste Erkenntnis für die Prüfungspraxis: Die drei grössten Risiken mithilfe der Risikomatrix identifizieren und für jedes davon konkrete Notfallszenarien durchspielen. So können Trägerschaften mögliche Störungen frühzeitig antizipieren und sich gezielt auf den Ernstfall vorbereiten. Denn eines ist sicher: Die nächste unerwartete Prüfungssituation wird kommen. Entscheidend ist, darauf vorbereitet zu sein. 

Wissen vertiefen und vernetzt bleiben 

Die ERFA-Tagung bot neben fachlichen Impulsen auch Raum für den persönlichen Austausch und die Vernetzung innerhalb der höheren Berufsbildung. Wer die Inhalte vertiefen oder einzelne Erkenntnisse nochmals nachlesen möchte, findet die Präsentationen und weiteren Unterlagen untenstehend. Dualstark dankt allen Referierenden und Teilnehmenden für den wertvollen Austausch sowie eduxept für die Unterstützung als Presenting Partner. 

 

Präsentation

Die Präsentation steht Ihnen als PDF zum Download zur Verfügung.

Risikomanagement bei eidgenössischen Prüfungen verbessern

Mit der Risikomatrix und dem Orientierungsrahmen von Dualstark erkennen und bewerten Trägerschaften Prüfungsrisiken systematisch und bereiten geeignete Massnahmen für den Ernstfall vor.

Jetzt Hilfsmittel sichern

  • Dualstark-Mitglieder: kostenlos
  • Teilnehmende der ERFA-Tagung 2026: CHF 90 statt CHF 120
  • Regulärer Preis: CHF 120

Hilfsmittel jetzt bestellen

nach oben